Cuba ist gewarnt !

(rele) Seit vor bald einem Jahr die Präsidenten Raul Castro und Barak Obama in parallelen Fernsehansprachen die Aufnahme von Verhandlungen über die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen bekanntgegeben haben herrscht eine gewisse Skepsis vor, was dies letztendlich für die weitere Entwicklung des sozialistischen Inselstaates bedeuten wird. Kommt es zu einer Dollarschwemme? Oder gar zu einem Ausverkauf? Halten Mc Donald und der US-Massentourismus Einzug?

Darauf gibt es noch keine schlüssige Antworten, Cuba steht erst ganz am Anfang einer neuen Phase, einem ersten Schritt in einem langwierigen Prozess zur Normalisierung der Beziehungen zweier Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftsformen.

Einer weiteren Problematik widmete sich die Vereinigung Schweiz – Cuba (VSC): “Ist das nun das Ende der Unterwanderungsversuche und konterrevolutionären Aktiviäten der USA gegen Kuba, die seit 1959 mehr als 3000 Todesopfer gefordert haben?” Um dieser Frage vertieft nachzugehen weilten auf Einladung des VSC im September mit Aleida Godínez und Alicia Zamora zwei ehemalige Agentinnen der kubanischen Staatssicherheit in der Schweiz. Auf einer Tournee in sieben Städten standen sie einem interessierten Publikum Red und Antwort.

Die beiden Frauen waren lange Jahre tätig in verdeckter Mission, eingeschleust in subversiv tätige Gruppen innerhalb des Landes, die letzten fünf Jahre arbeiteten sie gemeinsam an einer heiklen Aufgabe. Im Jahr 2003 gaben sie – gleichzeitig mit zwanzig anderen Agenten – ihre wahre Identität bekannt und kehrten in das normale Berufsleben zurück. Wer nun pikante Details aus dem Leben einer Agentin erwartet hatte, sah sich enttäuscht. Die konkrete Tätigkeit sei eher “eine delikate Angelegenheit”, versicherte Aleida, sehr unspektakulär, langwierig, und hat nichts mit Aktionen à la James Bond zu tun. Die Hauptaufgabe bestehe darin, Insider-Informationen zu sammeln aufgrund derer verhindert werden kann, dass es zu Sabotageaktionen oder Terroranschlägen kommt.

Diese Vorsicht hat gute Gründe. In einem historischen Rückblick erinnerte Aleida daran, dass vom ersten Tag nach dem Sieg der Revolution im Jahre 1959 vom Territorium der USA aus mit subversiven Aktionen jeglicher Art versucht worden ist, die Entwicklung zu einem selbstköpfigen, unabhängigen und sozialistischen Staatswesen zu unteminieren oder ganz auszuhebeln. Unter allen möglichen Deckmäntelchen, eben auch durch das Anwerben von mit US-Dollar bezahlten “Dissidenten” wurde seitens der USA die Beseitigung des “Castro-Regimes” zur Staatsdoktrin.

Es wäre eine gefährliche Illusion zu glauben, dass dies nun im Zuge der “Normalisierung” plötzlich aufhören würde. Aleida bezeichnete die Rede von Obama am 17. Dezember vergangenen Jahres daher als “historisch und hysterisch” zugleich. Obama habe Kuba nichts geschenkt. Er musste sich den neuen Realitäten beugen. Kuba liess sich mit all den rabiaten Methoden und über all die Jahre hinweg nicht in die Knie zwingen. Kuba lässt sich auch nicht mehr isolieren, es ist vielmehr zu einem anerkannten Glied in der Staatenwelt geworden, insbesondere in Lateinamerika.
Kuba hat keinen Kurswechsel vollzogen, hingegen hat sich die Regierung Obama.zu einem Kurswechsel veranlasst gesehen – wohlverstanden ohne so etwas wie “freie Wahlen” nach ihrem Gusto oder eine “Transition” hin zur kapitalistischen Marktwirtschaft erwirkt zu haben. Im Gegenteil, die USA mussten zuerst die fünf politischen Gefangenen freilassen und Kuba von der unsäglichen Liste der sogenannten “Schurkenstaaten” streichen. Auf die Tagesordnung gesetzt werden muss jetzt die Rückgabe der Marinebasis auf Guantanamo sowie die reale Aufhebung der Blockadepolitik. Diese Forderung wird erneut, und mit noch mehr Nachdruck auf der Traktandenliste der nächsten UNO-Vollversammlung stehen.

Allerdings, und hier empfahl Aleida sehr genau hinzuschauen, sollte man das Ansinnen der US-Regierung ernst nehmen: Obama sagte in seiner Rede vom 17. Dezember sehr deutlich, dass die USA zwar “die Methoden ändern wird, nicht aber die Zielsetzung”. Das heisst, die vorherrschenden Kräfte in den USA zielen – wie sie das im Irak, in Lybien und gegenwärtig in Syrien vormachen – weiterhin auf einen Systemwechsel in Kuba ab,

Für diese Kreise ist die Finanzierung und der Aufbau einer “inneren Oppositionskraft” unabdingbar, da eine reine Intervention von Aussen (à la Schweinebucht, oder à la Irak) zur Zeit von niemandem goutiert würde – und Kuba sich zu verteidigen wüsste. Daher kann es niemanden erstaunen, wenn sich Kuba auch nach Innen absichert. Dies umso mehr wenn man bedenkt, dass bereits seit diesem Sommer sowohl seitens dem “National Endowment for Democracy (NED, vom US-Aussenministerium finanziert), als auch der vorgeblichen US-Entwicklungshilfebehörde USAID Stelleninserate aufgeschaltet wurden, mit denen mehrere “Geschäftsführer” für ihre “Kuba-Demokratisierungs-Programme” gesucht werden. Monatsgehalt zwischen 7’500.- bis 11’600.- Dollar.

Genauere Daten dazu liefert die Tageszeitung “Junge Welt” unter Berufung auf Quellen in den USA. Demnach müssten die Bewerber Erfahrung mitbringen in “Demokratieförderung, Entwicklung von Zivilgesellschaften und Programme für Jugendliche”. Bevor sie jedoch ihren lukrativen Job antreten können, müssten sie sich einem “neunmonatigen geheimen Sicherheitscheck” unterziehen. Denn eine allfällige Weitergabe von Informationen über ihre Tätigkeit könnte dem nationalen Sicherheitsinteresse der USA “schweren Schaden” zufügen.

Während vordergründig über eine Normalisierung der Verhältnisse debattiert wird, werden im Hintergrund weiterhin die Messer gewetzt. Kuba ist also gewarnt, und wird sich zu wappnen wissen.

Veröffentlicht unter Aktuell, Berichte, Schweiz

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