Die Kubanische Revolution verteidigen

Von Volker Hermsdorf
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Am Vorabend des Sieges: Fidel Castro (Mitte, mit Zigarre) und weitere Mitglieder der Guerilla am 7. Januar 1959 in der Nähe von Havanna – einen Tag vor ihrem Einzug in die kubanische Hauptstadt

Fidel Castro gehört zu den Menschen, die Bertolt Brecht unentbehrlich nannte, weil sie ihr Leben lang kämpfen. Dies ist auch Fidels erklärter Anspruch an sich selbst. Im Bewusstsein seiner nachlassenden Kräfte versicherte er bereits vor mehr als einem Jahr in einem Brief an die Mitglieder des kubanischen Studentenverbandes FEU, er werde »bis zum letzten Atemzug weiterkämpfen«. Der Comandante en Jefe begeht heute seinen 90. Geburtstag. Er hätte nie gedacht, dass er dieses Alter erreichen werde, gestand Fidel Castro vor vier Monaten, in seiner kurzen Rede auf dem VII. Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas (PCC). »Es geschieht nicht als Ergebnis einer Anstrengung, es ist reiner Zufall«, fügte er hinzu. Das mag – angesichts der kaum zu zählenden Mordanschläge auf ihn – zutreffen. Sein Lebensweg ist jedoch über weite Strecken das Ergebnis bewusster Entscheidungen, die er selbst mit einem Zitat des kubanischen Nationalhelden José Martí begründet: »Der wahrhaftige Mensch schaut nicht, auf welcher Seite man besser leben kann, sondern welcher Seite man verpflichtet ist.«

Viele, die im Elend leben, haben keine Wahl, sich auf die eine oder andere Seite zu stellen. Fidel Castro hatte sie. Er ergriff Partei für diejenigen, die nicht auf der Sonnenseite leben. Er widmete sein Dasein kompromisslos dem Einsatz für die Beseitigung gesellschaftlicher Verhältnisse, in denen, wie Karl Marx es formulierte, »der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«. Darum geht es ihm in Kuba, in Lateinamerika, in Afrika und dem Rest der Welt. Wie sein Vorbild, der Pädagoge und Schriftsteller José Martí einst mit Feder und Machete für die Unabhängigkeit Kubas stritt, kämpfte Fidel mit dem Gewehr und später – wie bereits zu Beginn – wieder mit der Kraft seiner Worte für die Umgestaltung der gesellschaftlichen Ordnung.

Dabei ging es ihm nicht um die Durchsetzung individueller Interessen oder das Ausleben persönlicher Eitelkeiten, wie bürgerliche Historiker und Medien ihm gern unterstellen. Die hätte der begabte junge Anwalt auf andere Weise befriedigen müssen als durch seine Parteinahme im Klassenkampf. Fidel, der im Brief an den Studentenverband noch beinahe scherzhaft geschrieben hatte, er sei »auf wundersame Weise dem Reichtum entkommen«, lobte auf dem Parteitag im April »das Privileg, Revolutionär zu sein, was das Ergebnis unseres eigenen Bewusstseins ist«.

Auf der Seite des Volkes

Ohne dieses Bewusstsein wäre Fidel Castros Weg anders verlaufen. »Ich war weder ein Arbeiterkind, noch fehlte es mir an materiellen und sozia­len Ressourcen, um ein relativ bequemes Leben zu führen«, bekennt er selbst. Von seinem Vater Ángel Castro Argiz, der es vom armen Einwanderer aus Galicien zum wohlhabenden Gutsbesitzer gebracht hatte, war Fidel auf die besten Jesuitenschulen des Landes geschickt worden. Dort lernte er die Schriften der griechischen Philosophen, aber auch die der lateinamerikanischen Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar und José Martí kennen. Nach einem glänzenden Abschluss an der Universität von Havanna entwickelte der junge Fidel sich zu einem talentierten Anwalt. Zugleich engagierte er sich in der Protestbewegung gegen den von Washington gestützten Diktator Fulgencio Batista. Außer den Schriften Martís studierte er auch die von Marx, Engels und Lenin. »Ich konnte auf die bürgerlichen Wunschträume verzichten, deren Tentakel es schafften, viele Studenten zu umschlingen«, schrieb er als 88jähriger etwas blumig in seinem Brief an die FEU-Mitglieder. In jungen Jahren war seine Erkenntnis, dass die Verhältnisse nur durch den bewaffneten Kampf zu ändern seien, bereits gefestigt.

Fidel Castro tauschte die elegante Kleidung eines Anwalts gegen eine olivgrüne Felduniform. Zu seinem einzigen Schmuck wurde ein fünfzackiger Stern, das Symbol des Befreiungskampfes der Guerilleros. Der von ihm angeführte Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba am 26. Juli 1953 scheiterte zwar, gilt aber dennoch als Startsignal für die kubanische Revolution. Im anschließenden Prozess gegen die überlebenden Rebellen wurde Fidel Castro vom Angeklagten zum Ankläger, sein Schluss­plädoyer mitsamt dem Satz »Die Geschichte wird mich freisprechen« zu seiner vielleicht berühmtesten Rede. Nicht der Sturm auf die Kaserne sei unbegreiflich, hielt er den Richtern entgegen: »Unbegreiflich ist, dass Kinder ohne ärztliche Hilfe sterben, dass dreißig Prozent unserer Landbevölkerung ihren Namen nicht schreiben können und …, dass die meisten Familien auf dem Lande unter schlechteren Bedingungen leben als die Indianer, die Columbus traf, als er das schönste Land entdeckte, das Menschenaugen je gesehen haben.«

In dieser Rede skizzierte Fidel Castro bereits in Grundzügen ein politisches Programm für die Zeit nach der Revolution, an deren Erfolg er nie zweifelte. Nach Haft und Amnestie formte Fidel im mexikanischen Exil mit seinem jüngeren Bruder Raúl, dem argentinischen Arzt Ernesto »Che« Guevara und anderen Gefährten im Jahr 1955 den Kern einer Guerilla. Diese Männer setzten Ende 1956 nach Kuba über und zwangen – unterstützt von den Bewegungen der Arbeiter, Bauern und Studenten – die Diktatur innerhalb von zwei Jahren in die Knie. Am 1. Januar 1959 plünderte Batista die Staatskasse und floh außer Landes. Am 8. Januar zog Fidel Castro an der Spitze der siegreichen Rebellenarmee unter dem Jubel der Bevölkerung schließlich in Havanna ein. Auf die revolutionäre Beseitigung der alten Machtstrukturen folgte ein langwieriger Prozess der Umgestaltung der gesellschaftlichen Ordnung

Unabhängigkeit und Souveränität

Der Krieg der Guerilleros in der Sierra Maestra war so wenig romantisch, wie es die heutige Realität im sozialistischen Kuba ist. Der Lohn Fidels und der anderen Aufständischen bestand nicht in materiellen Beutestücken, sondern war die Gewissheit, dass das Volk zum ersten Mal in der Geschichte die Chance bekam, mit Würde in einem unabhängigen und souveränen Land zu leben. So wie José Martí es erträumt hatte, wurden die Entscheidungen über Kubas Zukunft seit dem 1. Januar 1959 nicht mehr in Washington, sondern in Havanna getroffen.

Das hat der mächtige Nachbar im Norden den kubanischen Revolutionären nie verziehen. Angesichts der militärischen und wirtschaftlichen Stärke des Feindes schienen die Überlebenschancen der ressourcenarmen, bis dahin in wirtschaftlicher Abhängigkeit gehaltenen, unterentwickelten und primär agraische Rohstoffe exportierenden Insel, nur neunzig Meilen vor der Küste der Vereinigten Staaten gelegen, gleich null zu sein. Doch Fidel Castro blieb beharrlich und überzeugte Millionen Zuhörer auf dem Platz der Revolution davon, dass die Waffen der Moral stärker sein würden als die Militärmaschinerie des Gegners, deren Drohpotential durch eine Hasspropaganda globalen Ausmaßes verstärkt wurde. Tatsächlich konnten die Waffen und die Millionen Dollar der Mächtigen in Washington nichts gegen den zähen Widerstand des kubanischen Volkes ausrichten.

Trotz einer vom US-Auslandsgeheimdienst CIA am 17. April 1961 initiierten Invasion in der Schweinebucht im Süden Kubas, die innerhalb von drei Tagen zurückgeschlagen werden konnte, trotz der umfassendsten und längsten Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade, die je über ein Land verhängt wurde, trotz der von Miami aus organisierter Terrorakte gelang der Aufbau des neuen Staates. Fidel Castros – in seiner in seinem Plädoyer vor Gericht nach dem Angriff auf die Moncada-Kaserne bereits skizzierte – Vision einer gesellschaftlichen Ordnung, in der soziale Sicherheit in Form von ausreichender Ernährung für tatsächlich alle, Behausungen, Gesundheitsversorgung und Bildung garantiert ist, wurde umgesetzt. Mit einer ungeheuren Anstrengung gelang die Alphabetisierung des bis dahin unterentwickelten Landes. In entlegenen Bergdörfern konnten Mädchen und Jungen erstmals zur Schule gehen, wurden Kindergärten und Krippen für die Kleinsten und Polikliniken eingerichtet, Landärzte versorgten die Menschen.

Mittlerweile gehört Kuba zu den Ländern mit dem besten Bildungsstand, der höchsten Lebenserwartung und der niedrigsten Kindersterblichkeit des Kontinents. Gleichzeitig erfolgte der Aufbau von Industriebetrieben, einer Landwirtschaft und eines Dienstleistungssektors, die nicht mehr fremden Kapitalinteressen dienen sollten. Organisationen wie die Gewerkschaften und die Verbände der Frauen, der Jugend, der Studenten, der Kleinbauern, der Schriftsteller und Journalisten – die unter Batista und den meisten seiner Vorgänger teils verboten, teils verfolgt waren – wurden gegründet.

Über all dem schwebte ständig das Damoklesschwert einer militärischen Aggression der USA. Fidel Castros Bruder Raúl, dem jüngsten Verteidigungsminister der Welt, fiel die Aufgabe zu, mit den von ihm aufgebauten Streitkräften, den »Fuerzas Armadas Revolucionarias« und den Milizen die Verteidigung des Landes zu sichern. Wer hätte damals – angesichts der Drohungen des mächtigsten Landes der Welt, seiner Wirtschaftsblockade und der Millionen Dollar, die für Programme zum »Regime-Change« aufgewendet wurden – gedacht, dass Fidel Castro seinen 90. Geburtstag in einem Land begehen würde, das nach wie vor unabhängig und souverän ist? In einem Land, das heute über mehr als fünfzig angesehene Hochschulzentren verfügt, wo es 1945 – als Fidel sich an der Universität von Havanna einschrieb – in ganz Kuba nur diese eine gab?

Der Aufbau einer dem Volk dienenden neuen Ordnung unter so schwierigen Bedingungen war eine außergewöhnliche Leistung. Zu ihr waren nur Menschen fähig, die ihr Leben – wie Fidel Castro – der Beseitigung von Ausbeutung, Ungleichheit und Unwissenheit gewidmet hatten. Sicher, es gab dabei Unterstützung von der Sowjetunion, der DDR und anderen befreundeten Ländern. Doch Kuba und Fidel Castro kämpften auch nach dem Ende des Sozialismus in Osteuropa weiter und verteidigten die Errungenschaften der Revolution.

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Freunde und Kampfgefährten: Fidel Castro (links) und der ehemalige Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, bei der Verleihung eines Preises durch die UNESCO am 3. Februar 2006

Doppelmoral der Gegner

Castros Gegner können die Erfolge der revolutionären Umgestaltung in Kuba nicht leugnen. Um sie zu schmälern, verweisen sie, wie etwa der Spiegel in einem aus Anlass von Fidels Geburtstag erschienenen Sonderheft, auf die von ihm ausgemachten Defizite. »Einiges ist ihm (Fidel Castro, V. H.) gelungen, die Alphabetisierung der Bevölkerung etwa und eine Basis-Gesundheitsversorgung für alle. Politische und bürgerliche Freiheiten blieben dabei jedoch auf der Strecke. Demokratisch geht es bis heute nicht zu im sozialistischen Reich der Castros …« Der sorgsam gewählte Begriff »blieben … auf der Strecke« unterstellt, dass Kuba vor »den Castros« ein Land der politischen und bürgerlichen Freiheiten gewesen sei. Erziehung, Bildung, Gesundheit, niedrige Kindersterblichkeit, der Schutz vor Miethaien und marodierenden Banden werden in ihrer Bedeutung reduziert und als »Lieblingsthemen« Fidel Castros abgetan. Die Lebensbedingungen der Bevölkerungsmehrheit sind für diese Leute uninteressant.

»Fehlende Demokratie« ist dagegen ein absolutes »Muss« jeder Konzernmedien-Berichterstattung über Kuba. Solche Ansprüche werden allerdings nicht für Mexiko, Kolumbien, Honduras, Guatemala, Paraguay und die anderen Länder des Kontinents erhoben, in denen Tausende Oppositionelle von Polizei, Armee und Todesschwadronen verfolgt, gefoltert und ermordet werden. Die Regierungen dieser Staaten erhalten einen Bonus – weil sie die Interessen der Mächtigen nicht stören. Castro stört sie und hat sie immer gestört, in Kuba, in Afrika, in Lateinamerika und der übrigen Welt.

Fidel Castro hat sich – aus einem klaren Klassenstandpunkt heraus – häufig zu Fragen des bürgerlichen Demokratiekonzepts geäußert. Dem brasilianischen Dominikaner und Befreiungstheologen Frei Betto sagte er Ende Mai 1985 in den berühmten »Nachtgesprächen«: »Ich erinnere mich, dass wir von der Demokratie Athens sprachen, deren Volk sich auf dem Marktplatz versammelte, um die politischen Probleme zu besprechen. Wir bewunderten das.« Später habe er jedoch begriffen, »dass es eine kleine Gruppe von Aristokraten war, die sich auf dem Marktplatz traf, um Entscheidungen zu treffen, und dass es außer ihnen eine bedeutende Masse von Bürgern gab, die jeglicher Rechte beraubt waren«. Schließlich habe es noch die große Menge der Sklaven gegeben. Die Athener Demokratie, sagte Fidel, erinnere ihn »sehr an die kapitalistische Demokratie heute«. Mit der Abgabe ihrer Stimme für eine Partei, die nicht an ihre Zusagen vor der Wahl gebunden sei, habe sich die Möglichkeit einer Einflussnahme der Bürger auf die Politik meist erledigt.

In seinem Brief an den Studentenverband griff Fidel Castro den Gedanken im Januar 2015 wieder auf: »Griechenland war ein Land, in dem die Sklaven die schwersten Arbeiten … verrichteten, während eine Oligarchie sich dem Schreiben und Philosophieren widmete.« Unter tatsächlicher Demokratie – wie unter der Revolution – versteht er einen permanenten Prozess der ständigen Beteiligung, mit Erfolgen, mit Irrtümern sowie der Möglichkeit, diese zu korrigieren und in gleicher Weise an neue Probleme heranzugehen.

Die Ideen werden siegen

Als Revolutionsführer hat Fidel Castro die Geschichte verändert. Er hat die Vergnügungsinsel, die bis dahin den Reichen als Bordell und Spielcasino diente, in einen selbstbewussten Akteur der Weltpolitik verwandelt. Das Ende der Apartheid in Südafrika wurde mit dem Einsatz kubanischer Soldaten in Angola eingeleitet. Viele Kubaner haben ihr Leben im Krieg gegen das Rassistenregime verloren. Außer von Vertretern der selbsterklärten weißen »Herrenrasse«, die wie Batista in Kuba durch Fidels Zutun ihre Macht einbüßte, wird sein Name auf dem Kontinent überall mit Respekt und Dankbarkeit genannt. Der Comandante en Jefe hat die Bewegung der Blockfreien ebenso inspiriert wie später den Integrationsprozess Lateinamerikas. Gemeinsam mit dem 2013 verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez entwickelte Fidel Castro das Konzept der vor zwölf Jahren gegründeten Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerikas« (­ALBA). Dieser lateinamerikanische Staatenbundes hat die Umsetzung einer sozialen Verpflichtung des Handels, die Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit und Bildung, den Aufbau eines solidarischen Bank- und Finanzsystems, industrielle Kooperationen sowie Projekte im Kommunikations- und Medienbereich zum Ziel.

Der Gründung der ALBA folgte im Februar 2010 – ebenfalls auf ein Konzept Fidel Castros zurückgehend – die Konstituierung der Lateinamerikanischen und Karibischen Staatengemeinschaft (CELAC). Dieser Verbund – eine Alternative zur 1948 von den USA initiierten und dominierten Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) – besteht aus allen 33 Ländern Lateinamerikas und der Karibik. Erstmals blieben die nicht dazu gehörenden Staaten USA und Kanada außen vor. Ein weiterer Erfolg des Comandante en Jefe.

Doch Fidel Castro ist ein Ruheloser. Seit Jahren warnt er, wie im November 2005 in seiner berühmten Rede vor Studenten der Universität von Havanna: »Ich glaube, dass die Menschheit heutzutage in realer und wirklicher Gefahr des Aussterbens schwebt«. Als Gründe dafür nannte er auf dem Parteitag im April 2016 die »zerstörerischen Macht der modernen Waffen«, die begrenzten Ressourcen von Trinkwasser und die zunehmende Ungleichheit in der Welt. Kuba, so hatte er bereits 2005 erklärt, habe sich nie die Produktion von Atomwaffen vorgenommen, weil es derartige Waffen nicht brauche. »Wir widmen unsere Ressourcen«, so Castro weiter, der Entwicklung von »Waffen, um den Tod zu bekämpfen, um AIDS zu bekämpfen, um Krankheiten zu bekämpfen, um Krebs zu bekämpfen«. Trotz US-Blockade und aller eigenen Schwierigkeiten engagiert sich die sozialistische Inselrepublik nach dem Motto »Solidarität heißt nicht zu geben, was übrig ist, sondern zu teilen, was fehlt«. Viele Projekte wurden von Fidel Castro selbst initiiert. So behandeln Zehntausende kubanische Mediziner Menschen in mehr als sechzig Ländern und den ärmsten Regionen der Welt. Durch das kubanische Hilfsprogramm »Misión Milagro« wurden bereits Millionen vor dem Erblinden bewahrt, Zigtausende Kranke nach Kuba geflogen und dort kostenlos behandelt. Havanna fördert zudem die Ausbildung ausländischer Ärzte und Spezialisten im Gesundheitswesen. Junge Menschen aus Staaten, in denen ein Medizinstudium vor allem den Angehörigen der Oberschicht vorbehalten ist, erhalten in der am 15. November 1999 auf Initiative Fidel Castros gegründeten Lateinamerikanischen Hochschule für Medizin (ELAM) Studienplätze und Stipendien.

Nach Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika starrte die wohlhabende »westliche Staatengemeinschaft« noch wie das Kaninchen auf die Schlange, als Havanna bereits Hunderte freiwillige Helfer in die Region geschickt hatte. Auch die Geißel des Analphabetismus wurde dank Kubas Hilfe erfolgreich bekämpft. Mit dem Programm »Yo sí puedo« (Ja, ich kann es) lernten Millionen Menschen in aller Welt Lesen und Schreiben. »Wir besitzen eine andere Art von Atomwaffe«, sagte Fidel Castro und verwies auf die Kraft der Solidarität und der Ideen. Er forderte 2005 vor den Studenten eine »Ideenschlacht auf Weltebene«. Und er prophezeite: »Die Ideen werden siegen!« In der Tat könnte Kubas Beispiel dazu führen, dass immer mehr Menschen sich fragen: Wenn ein so kleines, ressourcenarmes und blockiertes Land wie Kuba zu derartigen humanitären und sozialen Leistungen imstande ist, warum dann nicht die wohlhabenden, angeblich entwickelten Staaten?

Die Welt verändern und gestalten

Nach Barack Obamas Rede am 22. März im Großen Theater von Havanna wies Fidel Castro dessen – wie er es nannte – in »honigsüße Worte« verpackte Aufforderung zurück, die Kubaner sollten ihre Vergangenheit vergessen. Bei diesen Sätzen, so der Comandante, lief »jeder von uns Gefahr, einen Herzinfarkt zu bekommen«. Er wolle dem US-Präsidenten einen »bescheidenen Vorschlag« unterbreiten, schrieb Castro und empfahl Obama, »dass er reflektiert und jetzt nicht versucht, Theorien über die kubanische Politik zu entwickeln«.

Auf dem VII. Kongress der Kommunistischen Partei Kubas schlug Fidel Castro im April dann nachdenkliche Töne an: »Vielleicht ist es das letzte Mal, das ich in diesem Saal spreche«, erklärte er. Die Delegierten waren betroffen. Fidel sprach ruhig und ernst, doch ohne Wehmut: »Bald wird es mir ergehen wie allen anderen. Alle kommen wir an die Reihe, aber die Ideen der kubanischen Kommunisten bleiben.« Das waren nicht – wie bürgerliche Medien triumphierend kommentierten – die Worte eines sterbenden Dinosauriers. Aus Fidels Rede sprach der Optimismus eines lebenslangen Kämpfers, der von der Kraft der Ideen überzeugt ist, die sich entfaltet, wenn diese zur kollektiven Gegenwehr führen. Bei einer Biographie wie der Fidel Castros ist ein wenig Pathos erlaubt: »Ich werde mein ganzes Leben lang kämpfen, bis zur letzten Sekunde, und solange ich den Verstand hierzu besitze, um etwas Gutes, etwas Nützliches zu tun«, hatte er bereits 2005 zu den Studenten an seiner alten Universität gesagt. Dann fügte Fidel hinzu, was zur Maxime seines Lebens wurde: »Die Würde des Menschen wächst, wenn er etwas für die anderen tut.«

Von der Geschichte längst freigesprochen, beweist Fidel Castro jeden Tag aufs Neue, dass es den Menschen möglich ist, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Welt nach den eigenen Vorstellungen zu verändern und zu gestalten. Für dieses Beispiel erweisen ihm die Ausgebeuteten, Erniedrigten, Unterdrückten, kurz die Verdammten dieser Erde heute in aller Welt respektvoll ihren Dank und rufen: »¡Felicidades Comandante!«



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