Ein Wettstreit des Unsinns: in Kuba gibt es weder Raffinerien noch private Landwirtschaft?

Übersetzung und Untertitel: Angelika Becker

Ein Wettstreit des Unsinns: in Kuba gibt es weder Raffinerien noch private Landwirtschaft?

José Manzaneda, Koordinator von Cubainformación.

Im spanischen Sender Cadena SER berichtet uns die Journalistin Victoria García vom Drama, das das kubanische Volk gegenwärtig durchlebt (1): vom Kollaps des energetischen Systems, dem Mangel an Medizin, der Inflation, dem Qualitätsverlust des Erziehungswesens, dem Müll auf den Straßen, der wachsenden Armut…

„Ein zwischen zwei Diskursen gefangenes Land“

Aber obwohl García als eine der Ursachen die ökonomische Strangulierung der Insel durch Donald Trump erwähnt, tut sie dies mit einer wenig glaubwürdigen Äquidistanz: „Kuba liegt im Sterben l, gefesselt durch ein untaugliches inneres Regime und durch eine Blockade, die es erstickt“, es ist ein Land gefangen zwischen zwei Diskursen“, so sagt sie uns.

Erinnern wir uns: eine systematische Politik von Sanktionen seitens der USA hat den Tourismus zerstört, die Überweisungen aus dem Ausland, die medizinischen Dienstleistungen, und dies sind die Haupt-Einnahmequellen Kubas. Die Drohungen zur Konfiszierung von Gütern seitens des Weißen Hauses haben den Abzug aller Unternehmen mit Investitionen auf der Insel erzwungen und die Flucht der Reedereien, die Tausende Container mit Betriebsmitteln aufgegeben haben; und die Blockade jeglicher Erdöllieferung hält jetzt schon 9 Monate an. Kann man wirklich die Auswirkungen eines solchen Wirtschaftskriegs mit einer angeblichen „inneren Ineffizienz“ vergleichen?

Die Journalistin teilt uns mit, „dass die letzten spanischen Hotelunternehmen, die noch geblieben waren, die Insel nun verlassen haben“ (2). Verlassen haben? Nein, die Regierung Trump hat ihnen ein Ultimatum gestellt: einen Monat zum Verlassen Kubas, sonst Einfrieren ihrer Aktiva in den USA als Strafe. Sie beugten sich und setzten den Befehl um (3). Warum stellt sie dies nicht so klar dar, dass alle Welt dies verstehen kann?

„Der Staat erlaubt kein landwirtschaftliches Privateigentum“

Aber die auf „kubanische Themen“ spezialisierte Redakteurin geht noch einen Schritt weiter. Sie sagt uns: „Kuba hat nie Nahrungsmittel im Überfluss gehabt. Es produziert wenig, weil der Staat weder das Privateigentum gestattet noch die landwirtschaftliche Einzel-Bewirtschaftung, weil „Papa Staat“ alles bestimmt über ein Rationierungsheft, über das es kaum vier Sachen gibt“ (4). Man kann sicher über die Grenzen und Verpflichtungen der kubanischen Bauern diskutieren, die gegenwärtig abgeschafft werden durch die kürzlich verabschiedeten Reformen (5). Aber zu sagen, dass „der Staat kein Privateigentum und keine landwirtschaftliche Einzel-Bewirtschaftung gestattet“ bedeutet eine schändliche Lüge. Weil die kubanische Landwirtschaft zu 80 % von Genossenschaften und Einzelbauern betrieben wird und nicht durch staatliche Unternehmen (6)(7).

„Kuba hat keine Raffinerien“

Auch eine Zeitungsente. Sie berichtet uns: „Russland hat Treibstoff geschickt, aber ohne es zu raffinieren. Kuba hat keine Raffinerien, kann den Treibstoff daher nicht nutzen“ (8). Erneut falsch. Erstens lässt sie den nötigen Kontext weg: sie erklärt nicht, dass das Schiff mit russischem Kraftstoff, auf das sie sich bezieht, in diesem ganzen Jahr die einzige Ausnahme von der Erdöl-Blockade der USA  war (9)(10). Und zweitens, dass das russische Rohöl sehr wohl in Kuba raffiniert worden ist, wo es Raffinerien gibt, die das können (11). Tatsächlich gab es während der zwei Wochen, die das russische ÖL brauchte, kaum Stromausfälle im Land (12).

Die Spenden, von denen nichts beim einfachen Kubaner ankommt“

Bei einer solchen professionellen Mittelmäßigkeit wundert es nicht, dass die Chroniken der Victoria García Raum für Gerüchte ohne jeglichen Beweis geben. Wie dass die übersandte humanitäre Hilfe „nicht beim einfachen Kubaner ankommt“, „wie viele Bürger angeben“. Legt sie irgendeinen Beweis oder Zeugnis dafür vor über die angebliche Umleitung von Spenden? Nicht einen. Zweifellos gibt es Dokumente, mit denen man sich darüber informieren kann, wenn man will… über die kontinuierlichen solidarischen Lieferungen (Nahrungsmittel, Medikamente, Schulmaterial und Solarzellen), die bei Krankenhäusern, Geschäften und Schulen ankommen und Tausende Menschen begünstigen (13). Aber die nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstellen angesichts des riesigen Bedarfs.

„Die unabhängigen Quellen“

Dieses Niveau der Desinformation wird verständlich, wenn man sich die Quellen der Journalistin anschaut: um den „Castrismus“ zu untermauern mit der Armut, erzeugt durch die Blockade der USA, nutzt sie als Quelle das Observatorio Cubano de Derechos Humanos, die kubanische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (14), um „politische Gefangene“ aus Söldnern und Kollaborateuren mit dem Weißen Haus zu machen, zitiert sie „Prisoners Defenders“ (15) oder UNPACU (16). Um von einer „Welle der Repression des kubanischen Regimes gegen Journalisten“ zu sprechen, erwähnt sie Cubanet (17).

Alle diese Einheiten unterstützen die Sanktionspolitik gegen Kuba und erhalten direkte oder indirekte Finanzierung von der Regierung der USA. Und dies – sagen sie uns – sind „unabhängige Quellen“.

So unabhängig wie Victoria García, die Journalistin selbst, die Mitarbeiterin von „Die Stimme Amerikas“ und von „Radio Martí“ war, beides Propagandasender der Regierung der USA selbst (18). Sie verstehen jetzt alles besser, nicht wahr?

https://www.cubainformacion.tv/especiales/20260921/125045/125045-concurso-de-disparates-en-cuba-no-hay-refinerias-ni-agricultura-privada-ellinika-francais-portugues-deutsch-italiano

Veröffentlicht unter Aktuell, Blockade, Cuba, International

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