Hurrikan Melissa, keine Todesopfer in Kuba: Die Gründe für das Schweigen
José Manzaneda, Koordinator von Cubainformación
Der Hurrikan Melissa hat Teile von Jamaika, Haiti und Kuba verwüstet und auch die Dominikanische Republik und Panama getroffen (1). Agenturen und Medien sprechen von enormen Sachschäden und 64 Todesopfern „auf seinem Weg durch die Karibik” (2).
Der Hurrikan hinterließ „eine Spur der Zerstörung und des Todes in Haiti, Jamaika und Kuba”, berichtete Televisión Española (3). Das ist ungenau, denn in einem dieser Länder (Kuba) gab es zwar enorme Zerstörungen, aber keine Todesopfer (4).
Es ist eine wichtige Information, die interessanterweise von keinem Konzernmedium erwähnt und analysiert wird. Warum gab es in Kuba, einem Land, das brutalen Sanktionen seitens der USA unterworfen ist und sich in einer tiefen Wirtschaftskrise befindet, keine Todesfälle?
Dies ist ein Thema von großem humanitärem Interesse, da der Klimawandel die katastrophalen Auswirkungen von Hurrikanen und anderen Naturereignissen verschärft, insbesondere in den Ländern der Karibik.
Kuba präsentiert der Welt, insbesondere den Ländern des Südens, ein äußerst effizientes Modell der Zivilverteidigung, das von den Organisationen der Vereinten Nationen anerkannt wird (5). Aber darüber berichten Medien und Agenturen offenbar lieber nicht. Liegt es daran, dass dies ihr Bild von Kuba als einem „System, das nicht funktioniert” (6), ja sogar als einem „gescheiterten Staat” (7) zerstören würde?
“Ein „gescheiterter Staat”, der mit minimalen Ressourcen, fast ohne Treibstoff und im Gegensatz zu den Nachbarländern 740.000 Menschen vorsorglich an sichere Orte evakuierte (8), mehr als 3.000 Menschen rettete (9) und in den Tagen zuvor ein stündliches Informationssystem für die gesamte Bevölkerung aktivierte (10). Dieses System wurde in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verbessert. Es basiert auf Prävention, der Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen und Schulungen in Schulen, Universitäten, Arbeitsstätten und Gemeinden (11).
Der Kontrast besteht jedoch nicht nur zwischen Kuba und anderen Ländern mit ähnlicher wirtschaftlicher Entwicklung, wie den genannten karibischen Staaten. Er besteht auch zu den Ländern des Globalen Nordens, wie den USA selbst. Erinnern wir uns daran, dass dort im Jahr 2024 der Hurrikan Helene mehr als 200 Todesopfer forderte (12), im Jahr 2022 Ian 156 Todesopfer forderte und im Jahr 2017 der Wirbelsturm Maria fast 3.000 Todesopfer forderte.
Ist es nicht an der Zeit, dass sich die Medien für dieses bewährte Beispiel des Schutzes menschlichen Lebens in einem kleinen, blockierten Land interessieren (13)? Wann werden sie es wagen, die Zensur über alles aufzuheben, was Kuba der Welt, auch der „Ersten Welt“, zu bieten hat?
