Granma Internacional: Kuba aus erster Hand

Vielfach verteilt auch an den 1. Mai-Informationsständen der Vereinigung Schweiz-Cuba

Foto:Gabriele Senft / Fertigstellung der Granma Internacional in der Berliner Union-Druckerei

 

 

 

Die Tageszeitung Granma ist neben dem Fernsehen und zahlreichen Radiosendern die wichtigste Informationsquelle der kubanischen Bevölkerung. Ihre erste Ausgabe erschien am 4. Oktober 1965, einen Tag nach Gründung der Kommunistischen Partei Kubas (Partido Comunista de Cuba, PCC). Granma Internacional, eine internationale Ausgabe mit den wichtigsten Artikeln der Tagesausgaben, erscheint wöchentlich in Spanisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und seit Mai 1994 monatlich auch in deutscher Sprache. Sie bietet ein authentisches Bild über die Vorgänge in Kuba sowie die kubanischen Positionen und zudem »ein Panorama des lateinamerikanischen Geschehens, das von der großen Presse ausgeklammert wird«, hieß es im Editorial der Nullnummer. Für die Kuba-Solidaritätsbewegung und am Lande Interessierte im deutschsprachigen Raum stellte die erste Ausgabe vor 25 Jahren einen Meilenstein dar. Probleme bereitete jedoch die durch den Versand aus Havanna bedingte lange Transportdauer. Oft vergingen vier bis sechs Wochen, ehe die Zeitung bei den Lesern in Deutschland, Österreich, Luxemburg oder der Schweiz eintraf. Mit der Übernahme des Vertriebs durch den Verlag 8. Mai (in dem auch die jW erscheint) im Januar 2017 wurde dieses Problem gelöst. Eine vierköpfige deutsche Redaktion in Havanna erstellt weiterhin die Inhalte, schickt die Druckvorlagen dann nach Berlin, wo die Zeitung hergestellt und versendet wird.

Diese Informationen »aus erster Hand« sind für viele Leser eine alternative Quelle und ein Korrektiv zu der seltenen und einseitigen Berichterstattung der Mainstreammedien geworden. Authentische Informationen aus und über Kuba sind hier die Ausnahme. Positionen kubanischer Politiker, der Regierung oder der Kommunistischen Partei werden entweder komplett unterschlagen oder verzerrt wiedergegeben. In der Regel bedienen die Darstellungen zwei unterschiedliche Klischees. Sie beschreiben Kuba entweder als tropisches Urlauberparadies mit dem morbiden Charme verfallender Bauten, der Musik des Buena Vista Social Clubs, exotischen Tänzerinnen, Rum, Zigarren und Oldtimern aus Zeiten der US-amerikanischen Vorherrschaft. Oder die Karibikinsel wird als ein kommunistischer Überwachungsstaat diskreditiert, in dem eine eingeschüchterte und notleidende Bevölkerung Angst davor hat, sich frei zu äußern.

Zu der von Washington seit knapp 60 Jahren verhängten Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade kommt – zumindest in der westlichen Hemisphäre – eine umfassende Informationsblockade. Vermeintliche Qualitätsmedien verbreiten zudem regelmäßig Falschmeldungen, die meist auf denselben dubiosen Quellen basieren. Dabei werden die Verbindungen dieser gern als Kronzeugen zitierten »Menschenrechtsaktivisten« oder »unabhängigen Journalisten« zu US-Geheimdiensten und ausländischen Parteistiftungen verschwiegen. Erfundene Geschichten wie die des Ende 2018 als Lügner entlarvten einstigen Spiegel-Starreporters Claas Relotius über den »ersten Steuerberater auf Kuba« sind die Regel. Alternativen Medien wie der jungen Welt oder der Wochenzeitung UZ, die mit Informationen dagegenzuhalten versuchen, steht eine Phalanx der öffentlich-rechtlichen und privaten Meinungskonzerne gegenüber, die sich in ihrer »Berichterstattung« über Kuba ebenso einig zeigt wie beispielsweise in der Hetze gegen Russland oder der Zustimmung zur NATO.

Nach dem Verschwinden der Sowjetunion und der sozialistischen Länder Osteuropas prophezeite die Mehrzahl der BRD-Mainstreammedien auch den baldigen Untergang des sozialistischen Systems in Kuba. Von ihren US-Auftraggebern teilweise mit Waffen ausgestattete Konterrevolutionäre stürmten ausländische Botschaften, an der Uferpromenade Malecón in Havanna randalierte ein antikommunistischer Mob, und die westlichen Medien berichteten darüber im selben Stil wie heute über die Putschisten in Venezuela und Nicaragua.

Beim Treffen der europäischen Kuba-Solidaritätsgruppen 1993 in Havanna reifte in der deutschen Delegation deshalb der Gedanke, der Propagandamaschinerie mit authentischen Informationen direkt aus Kuba zu begegnen. Die mittlerweile verstorbenen Vorsitzenden der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba, Gabi Ströhlein, und des Netzwerks der Kuba-Solidarität, Heinz W. Hammer, trieben mit Unterstützung von Cuba Sí den Plan voran, Granma Internacional auch in deutscher Sprache herauszugeben. Im Mai 1994 erschien die Nullnummer, im Juli des Jahres dann offiziell die Nummer eins. Ein von der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba online gestelltes Archiv mit allen bisherigen Ausgaben (granma-archiv.de) ist eine Fundgrube für alle an der Entwicklung Kubas Interessierte und bietet eine einmalige Dokumentation der vergangenen 25 Jahre.

Wer darin stöbert, findet zum Beispiel die Erklärung des damaligen mexikanischen Präsidenten Carlos Salinas de Gortari, der bei einem Besuch in Havanna am 13. Juni 1994 die sofortige Beendigung der US-Blockade gegen Kuba forderte. Seitdem haben sich Kuba und die Welt verändert, während Washingtons Kuba-Politik bis heute in den Ritualen des Kalten Krieges verharrt. Auch eine andere Meldung in der deutschen Granma Internacional vom Juli 1994 zeigt eine Konstante. Über die im Oktober 1994 anstehenden Präsidentschaftswahlen in Brasilien berichtete das Zentralorgan der KP Kubas damals: »Washington möchte den Sieg von Luiz Inácio (»Lula«) da Silva verhindern. Er ist der Kandidat, der nach Umfragen die besten Chancen hat.«

Volker Hermsdorf, Havanna



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