Kuba zeigte und zeigt Solidarität

 
 
So echt wie die Hitler-Tagebücher: Kriegsminister Rudolf Scharping präsentiert den Hufeisenplan (Reuters)

Es waren SPD und Grüne, die deutsche Soldaten vor 20 Jahren in den ersten Angriffskrieg seit 1945 schickten. jW erinnert in einem Tagebuch an Verantwortliche und Kriegsgegner in jener Zeitenwende. (jW)Kubas Botschafter in Belgrad, Omar Medina, wird gefragt, wann er und seine Mitarbeiter ihr Gastland zu verlassen gedenken. Antwort: »Wir werden so lange bleiben, wie es menschlich vertretbar ist. Zu den ethischen Grundprinzipien Kubas gehört schließlich, eine Nation, mit der wir Beziehungen auf der Grundlage gegenseitigen Respekts unterhalten, nicht im Stich zu lassen, wenn sie in Not ist.« Auch Kubas Vertreter bei der Menschenrechtskonferenz in Genf und sein Kollege im UN-Sicherheitsrat stellen sich vor »das Opfer der brutalen Aggression«: »Die Bomben, die heute auf Pristina, Pancevo und andere Orte der Föderativen Republik Jugoslawien fallen, sind dieselben, die Kabul, Khartum, Tripolis, Bagdad, Bengasi und andere Städte getroffen haben, und sie unterscheiden nicht zwischen den Kindern von Jesus Christus und den Kindern Allahs, zwischen Militärs und Zivilisten, Serben und Kosovo-Albanern, zwischen Erwachsenen und Neugeborenen. Wir lassen uns nicht hinters Licht führen, das ist die alte Taktik der Mächtigen, des ›Teile und herrsche‹.«

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Die Blockfreienbewegung kann sich derweil nicht zu einer gemeinsamen Erklärung zum Krieg gegen ihr Gründungsmitglied verständigen. Arabische und islamische Staaten geben das Neutralitätsprinzip auf und übernehmen die antiserbische NATO-Propaganda.

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Der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping liefert neue Munition im Lügenkrieg. Am 8. April 1999 behauptet er vor der Presse, ihm liege ein »Operationsplan ›Hufeisen‹ (Potkova)« vor, der die angebliche systematische Vertreibung der ­kosovo-albanischen Bevölkerung aus dem Kosovo belegen soll. Das Papier war so echt wie weiland die Hitler-Tagebücher des Stern. Im Gegensatz zur Hamburger Illustrierten wird sich die Bundesregierung nie für das Produkt aus der Fälscherwerkstatt entschuldigen.

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In Bonn besetzen etwa 25 Demonstranten die Bundesgeschäftsstelle der Grünen. Ihre Forderung nach einem öffentlichen Gespräch mit Spitzenvertretern der Partei wird mit dem Hinweis abgelehnt, man wolle keine »öffentliche Showveranstaltung«. Tage zuvor war die Geschäftsstelle der Hamburger Grün-Alternativen Liste Ziel eines Anschlags, die Eingangstür ist mit Einschusslöchern übersät, der Hausflur mit Parolen besprüht: »Grüne – Kriegspartei« und »Angekommen – Angreifen«.

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Christa Wolf äußert sich nun doch zum Krieg (siehe jW vom 27.3.). Es könne einem die Sprache verschlagen, schreibt die Schriftstellerin, aber: »Was ich mir aber vorstelle, weil ich es nämlich selbst erlebt habe, und was wie ein Film vor meinem inneren Auge ablief, als ich die Nachricht vom Beginn der Bombardements empfing: Menschen in Luftschutzkellern, Sirenen, Bombeneinschläge, Angst. Und Tote, Verwundete zu den Ermordeten in den Dörfern und Städten des Kosovo. Und, auch das habe ich erlebt: Die Trecks der Vertriebenen, ihre Heimatlosigkeit, ihre Entbehrungen, ihre Angst. Ich fühle stark, ihnen helfen die Bomben nicht, so groß mein Abscheu gegen die serbische Soldateska ist, die diese Menschen auf Befehl und mit kalter Berechnung verfolgt und vertreibt. Ich war in dieser Sekunde auf Seiten der Opfer auf beiden Seiten, und ich bin es bis heute.«

Rüdiger Göbel

Nächster Teil: Eskalation des Verbrechens – Einsatz von Uran-Munition



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