Schweiz und Cuba: Wiederaufbauhilfe nach dem Hurrikan

Es ist fast unglaublich und erstaunlich zugleich: Nach dem verheerendsten Hurrikan, der je über die Antilleninseln hinweggezogen ist, und die Welt all diese schlimmen Bilder der Zerstörungen hat sehen können, zeitigt ein persönlicher Augenschein auf der grössten Insel, Kuba, ein überraschendes Bild. Knappe drei Monate sind seit den Tagen vergangen an denen ‚Irma’ über fast die ganze Nordküste hinweggezogen ist, doch bereits jetzt zeigen sich die Städte weitestgehend von allen sichtbaren Schäden befreit! Eine ungeheure Anzahl Tonnen Abfallmaterial musste beseitigt und unzählige Infrastruktureinrichtungen (Spitäler, Schulen, Brücken, Hotelanlagen etc.) wiederhergestellt werden. Auf den ersten Blick präsentiert sich beispielsweise die Hauptstadt Havanna besser herausgeputzt als zur Zeit des Papstbesuches.

Dies in absoluter Rekordzeit zu bewerkstelligen war nur möglich, weil sich grosse Teile der Bevölkerung an den Aufräumarbeiten beteiligt haben. Ausserdem bewährten sich erneut die  Zivilschutzmassnahmen, die nicht nur die Prävention vor und während eines Hurrikans beinhalten – mit dem Hauptziel, Leben zu schützen -, sondern auch dessen Nachbereitung, d.h. die möglichst rasche Wiederherstellung des normalen Lebens. Dies zeigt sich daran, dass innerhalb von nur vier Tagen die Elektrizitätsversorgung wieder hergestellt worden ist, was die Verlegung von Kilometern an Elektrokabel und die Aufrichtung von Strommasten erforderte. Allein in Havanna mussten die Dächer von 4’000 Häusern neu gedeckt werden.

Andererseits gibt es Folgen, die sich nicht so rasch beheben lassen, wie die Wiederherstellung aller betroffenen Privathäuser, die Beseitigung der Feuchtigkeit in den überfluteten Unter- und Erdgeschossen, oder die Schäden in der Landwirtschaft. Das sind vor allem gefährdete oder verlorene Ernten, was bereits zu einer gewissen Verknappung in der Lebensmittelversorgung geführt hat, respektive zu einer Preissteigerung bei den knapp gewordenen Produkten. Dies führt natürlich auch zu Klagen seitens jener Bevölkerungsteile, die mit tiefen Peso-Löhnen über die Runden kommen müssen. Zumal in den Tagen ohne Stromversorgung die in Tiefkühlabteilen gelagerten Vorräte auftauten oder verloren gingen.

Gemäss offiziellen Zahlen wurden rund 2 Millionen Personen direkt betroffen und etwa 160’000 Wohnhäuser vom Hurrikan ‚Irma’ beschädigt oder ganz zerstört.

Kuba konnte in diesen schwierigen Wochen auf solidarische Hilfe seitens der ALBA-Länder wie Venezuela, Bolivien und Ecuador zählen. Demgegenüber war bei den grossen  schweizer Hilfswerken (wie Glückskette, Solidar usw) eine Soforthilfe zugunsten von Kuba kein Thema, und es erfolgte auch angesichts dieser grossen Naturkatastrophe kein Spendenaufruf. Andererseits zögerten die kleinen Solidaritätsorganisationen wie Medico International Schweiz, MediCuba und natürlich auch die Vereinigung Schweiz-Cuba (VSC) keinen Augenblick, jetzt erst recht einen Beitrag zu leisten für die Beseitigung der Schäden und den Wiederaufbau im Land.

Bis zum 15. Dezember sind beim VSC, aus allen Regionen der Schweiz, insgesamt über 33’000 Franken an Spendengelder eingegangen und bereits nach Kuba überwiesen worden.

Erfreulicherweise hat sich nun in diese dringend notwendige Bewegung für den Wiederaufbau auch die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (DEZA) eingeschaltet. Gemäss einem Komuniqué stellt die Schweizerische Eidgenossenschaft insgesamt 3.6 Millionen Franken zu Verfügung, welche insbesondere für die Landwirtschaft, respektive in der Nahrungsmittelversorgung für die kubanische Bevölkerung eingesetzt werden. Diese Aktion Post-Irma erfolgt in Zusammenarbeit mit UNO-Entwicklungsprogrammen (wie PNUD und PMA), ebenso mit dem Internationalen Roten Kreuz und Caritas Schweiz.

Schwerpunktässig eingesetzt werden diese Gelder in den am meisten betroffenen Provinzen Villa Clara, Sancti Spíritus, Ciego de Ávila y Camagüey, und sie sollten dort den Kindern, stillenden Müttern, älteren Menschen mit niedrigem Einkommen zukommen, aber auch der Schaffung von Arbeitsplätze in neuen Mini-Industrien zur Herstellung von Baumaterialien.

Diese Ankündigung von Anfangs Dezember fand in Kuba eine grosse Verbreitung in der Presse, in der Tageschau des Fernsehens wurde die Unterzeichnung des Abkommens durch den Schweizer Botschafter Marcel Stutz sowie die verschiedenen anderen am Programm Beteiligten übertragen. Während die Schweiz sonst meisten wegen ihren Banken und immer neuen Fluchtgeldskandalen in die Schlagzeilen gerät, konnte für einmal eine positive Meldung erfolgen.

René Lechleiter/Susanne Schreiber  22. Dezember 2017

Veröffentlicht unter Aktuell, Cuba, Schweiz

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