Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke, Comandante

Mit der Feststellung »Es war meine Pflicht, dem Volk zu dienen« hatte Fidel Castro bereits kurz nach dem Sieg der Kubanischen Revolution 1959 persönliche Ehrungen zurückgewiesen. Sein »Preis« bestehe darin, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Damit folgte Fidel einer Feststellung José Martís: »Der Ruhm der ganzen Welt passt in ein Maiskorn.« Er wollte keine Statue und keinen persönlichen Ruhm – und verfügte, dass sein Name nicht für öffentliche Orte verwendet und ihm keine Denkmäler errichtet werden sollten. »Der Revolutionsführer lehnte jede Art von Personenkult ab und blieb dieser Haltung bis in seine letzten Lebensstunden treu«, verkündete Raúl ­Castro 2016 bei der Gedenkfeier für seinen verstorbenen Bruder. Wie also Fidel für sein Werk für Kuba und die Menschheit danken?

In einer Geschichte schildert Bertolt Brecht, wie die Teppichweber im zentralasiatischen Kujan-Bulak Lenin ehren wollen. Das für eine Büste des russischen Revolutionsführers gesammelte Geld verwenden sie auf Anraten eines Rotarmisten statt dessen zur Bekämpfung der Malariamücken in den Sümpfen. »So nützten sie sich, indem sie Lenin ehrten und / Ehrten ihn, indem sie sich nützten, und hatten ihn / Also verstanden.«

Fidel zu gedenken bedeutet analog, sich seine Ideen zu Internationalismus und Antiimperialismus, zu sozialer Gleichheit und Solidarität zu eigen zu machen. Ideen, die längst nicht nur Kuba betreffen. »Eine biologische Spezies – der Mensch – ist durch die rasche und fortschreitende Zerstörung ihrer natürlichen Lebensbedingungen vom Aussterben bedroht«, warnte Fidel auf dem UN-Erdgipfel 1992 vor der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Sättigung der Atmosphäre mit klimaverändernden Gasen. Als Hauptverantwortliche benannte er die aus den alten Kolonialmächten und imperialistischer Politik hervorgegangenen kapitalistischen Konsumgesellschaften der reichen Länder, welche ihrerseits die Rückständigkeit und Armut der großen Mehrheit der Menschheit hervorgebracht hätten.

Fidels zu gedenken bedeutet, das Werk fortzuführen, das er begonnen und geleistet hat. Es gilt, die Kubanische Revolution mit ihren sozialistischen Errungenschaften gegen die Blockade und Kriegsdrohungen der USA zu verteidigen. Als ein trotziges Bollwerk gegen die weltweiten Ambitionen des US-Imperialismus – und als die lebendige Möglichkeit einer solidarischen Alternative zum Kapitalismus.

Ehren wir Fidel, indem wir uns nützen – und ihn also verstanden haben.

Nick Brauns, junge welt

Veröffentlicht unter Aktuell, Cuba, International, Kultur, Schweiz

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