José Ramón Fernández: „Solange Leben in mir ist, diene ich der Revolution“

Sowohl was den Comandante en Jefe als auch was Armeegeneral Raúl Castro betrifft, war Fernández der Auffassung, dass er ihnen schuldete, sein Leben seinem Volk zu widmen Photo: Liborio Noval

Dieser Held hat einen besonderen, einen anderen Akzent und aus diesem Grund erhielt er den liebevoll gemeinten Beinamen „der Gallizier Fernández“. Seine Worte, verhalten und nachdrücklich, haben einen Klang, den viele mit dem Tonfall derer verwechselten, die in Gallizien geboren wurden. Er hat aber immer deutlich gemacht: „Meine Eltern, auf die ich immer stolz war, stammten aus Asturien. Meine Mutter aus Oviedo und mein vater aus Morcín, einem kleinen Dorf in der Nähe.“

Er jedoch wurde in Santiago de Cuba geboren. „ Als ich Kind war, kaufte mein Vater eine Finca und wir zogen dorthin, in die Nähe einen kleinen Dorfes mit Namen Hongolosongo, das damals in der Gemeinde El Cobre lag.

Meine Eltern hatten nur eine elementare Bildung. Sie achteten aber sehr auf Werte und auf ein gesundes Umfeld. Das Elternhaus war entscheidend für mein Leben, weil ich dort Werte wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Ehrlichkeit erfuhr… Verhaltensmuster denen ich versucht habe, mein ganzes Leben lang treu zu bleiben.

Ich habe an der öffentlichen Grundschule in Hongolosongo gelernt und dann kam ich auf das Kolleg der La Salle Brüder und danach auf das Institut von Santiago de Cuba. Noch ganz jung begann ich die militärische Laufbahn. Schon von Kind an gefiel mir das militärisc he Leben. Mich zogen die Disziplin, die Ordnung und die Möglichkeiten an, die mir dort geboten wurden.

Ich habe in verschiedenen militärischen Einrichtungen gelernt: bei den Artilleriekadetten Kubas und danach, in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, habe ich auf der Artillerieschule der USA mein Examen abgelegt. Aber mein Verdienst besteht nicht darin, Militär mit akademischer Ausbildung zu sein, sondern mich dem Volk gewidmet zu haben.“

Am 14. April 1956 nahm José Ramón Fernández an einer militärischen Verschwörung gegen die Putschisten des 10. März teil, die die verfassungsmäßige Ordnung verletzt hatten und die Korruption und Diebstahl installierten. „ Die jungen Leute in der Armee bewunderten Batista nicht, von daher war es nicht schwierig, eine Bewegung gegen ihn aufzubauen. Aber trotzdem mussten wir unser Leben schützen. Unsere Verschwörung nannte man die Konspiration der Reinen. Batista selbst, als er einmal aus Kuba geflohen war, erwähnte uns in seinem ersten Buch. Ich wurde deswegen drei Jahre eingekerkert.

Die Schuld, die ich auf mich geladen haben könnte, weil ich einer Armee wie dieser angehörte, habe ich durch die eindeutige Haltung ausgeglichen, die ich mein ganzes Leben beibehalten habe. In meiner Zelle gab es z.B. kein Vorhängeschloss, sie war aber festzugeschraubt. Dort hielten sie mich einen Monat lang nackt und ohne Schuhe. Dies führte zu einer Anzeige gegen den Direktor der Anstalt und ein Richter des Obertsen Gerichtshofs verurteilte ihn und zwang ihn bei einer Polizeieinheit vorstellig zu werden. Dort im Gefängnis lernte ich Armando Hart und andere Kämpfer der Bewegung des 26. Juli kennen.

Am 24. Dezember 1958 erfuhren wir, dass die Rebellenarmee Militärposten eingenommen hatte. Schon in den frühen Morgenstunden des 1. Januar wurde deutlich, dass in der Hauptstadt etwas Außerordentliches geschehen sein musste. Von einem kleinen Transistorradio, das wir heimlich hatten und das wir auf ganz pedantische Weise handhabten und versteckten, konnte man seltsame Nachrichten hören und in den ersten Morgenstunden wurde dort angekündigt, dass der General Eulogio Cantillo in der Militärstadt Columbia eine Pressekonferenz abhalten werde.

Diese Umstände führten dazu, dass ich und auch eine Gruppe von Offizieren, die gefangen waren, das Gefängnis verlassen konnten. Der Compañero Hart war in diesem Augenblick der Vertreter der Bewegung auf der Insel der Jugend und iher ziviler Leiter. Ich stand dem militärischen Teil vor. Ich glaube, dass die erste revolutionäre Ansprache, die das Volk auf der Isla de Pinos über das Radio erhielt, meine war.“

Fernández übernahm auch die Festnahme des Militärs Eulogio Cantillo, während der Batista Diktatur als Leiter des Generalstabs fungierte und der, als Batista, sich seiner Niederlage bewusst, in die Dominikanische Republik geflohen war, die höchste Autorität dieses Regimes in Kuba darstellte.

„Ich hatte von Fidel über den Verrat von Cantillo gehört ( der genau das Gegenteil von dem machte, das bei dem Gespräch vom 28. Dezember mit dem Comandante en Jefe vereinbart worden war) und ich glaubte, dass Cantillo in Freiheit eine bestimmte Gefahr darstellen würde. Deswegen gab ich den Compañeros den Befehl, ihn bei sich zuhause festzunehmen.

Ich ging allein hinein. Ich fragte nach ihm und zwei seiner Adjudanten wollten wissen, was ich vorhatte. Ich gab ihnen die verdiente Antwort auf den Verrat, den sie begangen hatten. Ich zog ihn direkt aus seinem Haus und brachte ihn in die Gefängniszellen von Columbia.“

José Ramón Fernández ist der Auffassung, dass das wichtigste, was jemand in der Führung haben muss, die Moral ist, die aus der Gerechtigkeit und der Vernunft entströmt. Er sagt auch, dass Fidel kennengelernt zu haben, sein Leben verändert habe:

„Es gab ein Vorher und ein Nachher. Fidel ist ein meisterhafter Anführer, eloquent und vorausschauend, der das sah, was wir anderen nicht sehen konnten.“

Er lernte ihn persönlich am 12. Januar 1959 kennen. An diesem Tag kam Fidel im ehemaligen Generalstab von Columbia mit einer Gruppe von 18 oder 20 der bekanntesten Militärs zusammen, die im Gefägnis gessesen hatten.

„Er erkärte uns die Pläne der Revolution. Zum Schluss forderte er uns dazu auf, uns der Rebellenarmee anzuschließen. Einzig mir allein übertrug er ein Kommando, die anderen wurden alle Berater.“

Fidel schlug ihm vor, die Leitung der Kadettenschule zu übernehmen.

„Vorsichtigerweise habe ich zunächst nichts gesagt. Als das Treffen vorbei war, bat ich darum, mit ihm zu sprechen. Ich erinnere mich, dass er mich zu einem abgelegenen Raum führte. Er fragte mich, was ich wolle. Ich antwortete ihm, dass ich wirklich nicht das Gefühl hätte, etwas für die Revolution getan zu haben, auch wenn ich nichts gegen den Prozess hätte – ganz im Gegenteil. Ich sagte ihm auch, dass ich kein Interesse daran hätte, in die Armee zurückzukehren, die man von Grund auf verändern müsse. Außerdem hätte ich bereits Arbeit als Verwalter einer Zuckerfabrik. Ich redete immer weiter…

Fidel begann in dem kleinen Raum hin- und herzugehen. Plötzlich hielt er an, legte mir die Hand auf die Schulter und sagte: „Ich glaube, du hast Recht. Du gehst in die Zuckerfabrik und ich werde ein Buch über die Sierra Maestra schreiben und die Revolution geht derweil zum Teufel.“ Noch am Nachmittag desselben Tages übernahm ich die Stelle als Direktor der Kadettenschule der Rebellenarmee.

Dann war ich in Girón, nicht nur, um eine gerechte Sache zu verteidigen und um mich einem mächtigen Feind entgegenzustellen, der eine große Gefahr für die Revolution darstellte, sondern auch, weil dies gerade mir eine Möglichkeit eröffnete, meine Treue zur Revolution zu zeigen und das Vertrauen zu rechtfertigen, das man in mich gesetzt hatte.

Girón bedeutete, dass ich mit eigenen Händen an der Verteidigung der Revolution und des Sozialismus beteiligt war. Damit verstärkte sich meine Überzeugung, dass mein Schicksal für immer mit diesem heroischen Volk verschmolzen ist.“

Als er auf Raúl zu sprechen kam, ging Fernández darauf ein, welchen Wert für ihn die Freundschaft, der Respekt und die Unterordnung sowohl unter den Comandante en Jefe als auch unter den Armeegeneral Raúl Castro bedeutet habe.

Seine Ehefrau, die revolutionäre Kämpferin Asela de los Santos, die auch in der Mesa Redonda interviewt wurde, bezeichnete ihn als einen wunderbaren, außerordentlichen Menschen.

„Eine seiner größten Tugenden ist seine Treue… Er ist ein sehr strenger Mann. Er fordert zunächst von sich selbst etwas, bevor er es von anderen fordert und das gibt jenen, die er leitet, viel moralische Kraft.“



» http://de.granma.cu/cuba/2019-01-07/jose-ramon-fernandez-solange-leben-in-mir-ist-diene-ich-der-revolution
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